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2. Sonntag im Jahreskreis C

Was ist ein Wunder? Viele Menschen sind der Meinung, alles selbst zu können, alles selbst erreicht zu haben in ihren Leben… Sie meinen, keinem etwas zu verdanken, das hindert sie oft am Glauben. Diese Überforderung macht Menschen krank. Es geht nicht darum, dass Gott alle Probleme wegzaubern würde. Wunder, die Gott wirkt, sind anders. Sie knüpfen an unsere Bereitschaft an. Das Wasser, das wir bringen, wird zu Wein. Jesus wirkt keine Spektakel, um die Menschen zu blenden. Es sind „Zeichen“, um zu zeigen, wer er ist. In der Freude des Festes entdecken seine Jünger das Leben in Fülle, das in Jesus zu finden ist. Gott segne Sie, Ihr Pfr. Daigeler.

                               Liebe Besucher unserer Homepage,

in den weihnachtlichen Tagen hören wir die hoffnungsvollen Worte von der Geburt Christi. Besonders bekannt ist die Darstellung aus dem Lukasevangelium. Hier ist die Rede von der Herbergssuche, davon, dass Maria und Josef in Betlehem keine Unterkunft finden und so der Heiland in einem Stall zur Welt kommt. Vom leuchtenden Stern und von der geteilten Freude der Hirten erzählt uns der Evangelist Lukas. Diese Worte hören wir am Heiligen Abend.

Am ersten Weihnachtstag wird der Anfang des Johannesevangeliums gelesen. Mit anderen Worten beschreibt Johannes das Geheimnis der Menschwerdung. Das Wort Gottes, also Jesus, war schon vor aller Zeit. Als die Zeit erfüllt war, kam das Wort in die Welt. Doch obgleich Jesus in sein Eigentum kam, wurde er nicht aufgenommen. Allen aber, die das Wort Gottes damals aufnahmen und auch heute annehmen, schenkt er „Macht, Kinder Gottes zu werden“.

Dieses Geschehen fasst der Evangelist Johannes in einen knappen Satz zusammen, der im „Engel des Herrn“ auch Teil unserer Gebetssprache geworden ist. „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ (Joh 1,14) In der lateinischen Sprache lautet dieser Satz: „Et verbum caro factum est…“ Das Wort „factum“, das uns hier begegnet, ist zunächst ein neutrales Wort. Es will festhalten, dass etwas geschehen oder gemacht worden ist. In unserer Zeit wird das davon abgeleitete Wort „Fakten“ häufig gebraucht. Man solle lediglich den wissenschaftlichen Fakten folgen, dann sei die Lösung doch eindeutig, heißt es in der ökologischen Krise, in der Corona-Krise und in anderen Bereichen.

Nun ist das aber keineswegs so einfach, wie es beim ersten Hören klingt. Wir haben uns in den letzten Jahrzehnten angewöhnt, nicht mehr die Dinge „an sich“ zu sehen, sondern sie „für mich“ zu verstehen. „Die“ Wahrheit gibt es für die meisten nicht mehr, „meine“ Wahrheit ist entscheidend, ob ich sie eben als wahr anerkenne. Hier unterscheiden sich links und rechts kaum in Politik, Gesellschaft und auch in der Kirche. Jedem Faktum werden daher fast zwangsläufig „alternative Fakten“ entgegengehalten.

Dieses erkenntnistheoretische Problem wird meines Erachtens in den aktuellen Diskussionen oft zu wenig eingestanden. Doch was können wir hier als Christgläubige einbringen? Das Weihnachtsevangelium hält ein weltbewegendes „Faktum“ fest. Gottes Wort ist ewig und wahr, zugleich ist es „Fleisch“ geworden, also greifbar, verletzbar und verstehbar. Es ist nur persönlich, nämlich durch die Person Jesus Christus, zu begreifen, doch es ist verankert außerhalb der Welt und ihren Schwankungen, in Gott. Darum gibt es uns Orientierung, Halt und Sicherheit. Als Christen dürfen wir in jeder Krise auf den Heiland verweisen, der Mensch geworden ist – zerbrechlich, in der Armut eines Stalls. In seiner Zerbrechlichkeit hat er uns die Fülle der Wahrheit offengelegt und zugänglich gemacht, damit wir Kinder Gottes werden, damit wir Sicherheit in den Stürmen der Zeit haben, damit wir das Leben in Fülle finden.

Pfarrer daigeler

Mit diesen Gedanken lade ich Sie herzlich zur Mitfeier unserer Gottesdienste in der Weihnachtszeit ein und wünsche Ihnen ein frohes und gnadenreiches Weihnachtsfest sowie Gottes Segen für das kommende Jahr 2022,

Ihr Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

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