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Predigt von Pfarrer Daigeler zum 11. Sonntag im Jahreskreis A

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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, vermutlich machen es bestimmte Haltungen unserer Zeit schwerer, die Größe mancher biblischer Zusagen zu verstehen. Unsere Gesellschaft hat es sich angewöhnt, von „Ansprüchen“ her zu denken. „Ich habe einen Rechtsanspruch auf bestimmte Leistungen“, so heißt es oft. Das gilt für Betreuung von Kindern wie für die Pflege von Alten, das gilt für die Förderung von energetischen Baumaßnahmen oder von anderen Projekten…

Ich sage das nicht, weil ich frei wäre von diesen Anspruchshaltungen. Ich sage es, weil die Grundhaltung, die überhaupt erst zum Glauben führt, das Wissen um mein Verdanktsein ist. Das heißt, ich erkenne an, dass ich nicht aus „Ansprüchen“, sondern aus Gaben und Geschenken lebe – angefangen beim Geschenk des Lebens selbst. Keiner hat einen Anspruch darauf, darum darf auch keiner einfach darüber verfügen.

Im Alten Testament keimt dieses Bewusstsein langsam auf. Das Volk Israel erfährt sich als „erwähltes“ Volk. Das meint nicht, dass es besser wäre als andere. Das meint vielmehr, dass Gott an diesem Volk beispielhaft gehandelt hat. Gott hat die Israeliten in die Freiheit geführt; er hat ihnen eine Heimat, ein Land geschenkt; und er hat ihnen die Gebote gegeben, damit die Freiheit und das Land bewahrt bleiben. Die angemessene Haltung darauf ist die Dankbarkeit. Und diese Dankbarkeit äußert sich im Leben aus dem Glauben. „Ihr sollt mir als ein heiliges Volk gehören“, hörten wir in der Ersten Lesung.

Diesen Weg geht Gott weiter, indem er seinen Sohn Jesus in die Welt sendet. Er schenkt uns Freiheit, nicht nur äußere, sondern auch innere Freiheit, Freiheit von der Sünde. Darüber denkt der Apostel Paulus nach. Er preist Gott, weil wir in Jesus „schon jetzt Versöhnung empfangen haben“. Und in Jesus haben wir auch Heimat gefunden, nämlich die ewige Heimat bei Gott.

Darauf hat kein Mensch einen „Anspruch“. Es ist ganz und gar Geschenk. „Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren“, hieß es im Römerbrief. Wer das erkennt, wer das als Geschenk anerkennt und sein Herz bittend dafür öffnet, der wird es erhalten, der wird reich beschenkt, der wird ein Jünger Jesu.

Davon erzählt auch das Evangelium. Nicht die Apostel haben irgendwelche Ansprüche. Jesus ruft sie. Sie sind überhaupt nur Apostel, weil Er sie ruft – „aus Mitleid mit den Menschen“, damit diese Hirten haben, sagt Matthäus. Die Apostel sind selbst Beschenkte und sollen davon austeilen, was sie selbst empfangen haben. Die Kirche hat nichts Eigenes zu verteilen. Sie gibt weiter, was sie vom Herrn empfangen hat: seine Frohe Botschaft und die Gabe seine Gegenwart in den Sakramenten.

Darauf gibt es keinen Anspruch. Nicht an bestimmten Orten oder zu bestimmten Zeiten gibt es ein Recht auf die Sakramente. Sie kann man nur in der Haltung der Dankbarkeit recht empfangen. Und für sie ist keine Mühe oder kein Weg zu viel. Wir sind das Volk Gott zu eigen; wir sind beschenkt mit Freiheit und Heimat von Gott; wir dürfen Arbeiter in seiner Ernte sein. Wie könnten wir mehr erlangen? Wer Gott hat, der hat alles. Amen.

18.06.2023, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

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