Predigt von Pfarrer Daigeler am Neujahrstag
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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, das eben gehörte Evangelium schließt die Weihnachtsoktav ab. In der Heiligen Nacht haben wir gehört, wie Maria und Josef in Betlehem Herberge suchen, wie das göttliche Kind im Stall zur Welt kommt. Heute am achten Weihnachtstag hören wir erneut Worte des Evangelisten Lukas. Es sind die anschließenden Verse, die uns von den Hirten erzählen, die an der Krippe angelangen. Staunen und Freude prägt diesen Moment. Die Geburt eines Kindes ist auch in unserer technisierten Welt ein Moment des Staunens. Es ist doch ein Wunder, dass ein neuer Mensch nun sichtbar auf dieser Welt ist.
Natürlich sind die Situationen, in die Kinder hineingeboren werden, unterschiedlich. Manchmal sind sie ersehnt, manchmal sind sie unerwartet. Kinder werden auch heute in Wohlstand und Armut, in Krieg und Frieden geboren. Darum berührt uns die weihnachtliche Botschaft so sehr. Der Gottes Sohn kommt nicht in einem Palast, nicht einmal in der Stadt, sondern in einem Stall zur Welt. Und Menschen am Rande der Gesellschaft, wie es die Hirten sind, dürfen die ersten Zeugen dieses Geschehens sein. Sie wissen, dass hier kein Märchen geschieht, in dem alles glatt läuft und einfach ist, und doch teilen sie die stille Freude der Gottesmutter. Maria weiß um die Herausforderung, doch sie weiß ebenso dieses Kind ist die Nähe Gottes in allen Stunden. „Gott rettet“, „Jesus“ nennen sie das Kind, wie es der Engel angekündigt hatte.
Für uns ist heute der erste Tag eines neuen Jahres. Wir können noch nicht sagen, was es bringen wird an Freuden und Sorgen. Doch wir können lernen von den Hirten und von Maria und Josef. Wer das göttliche Kind aufnimmt, wird mit der Nähe Gottes beschenkt. „Gott rettet“, das hat er uns in Jesus, seinem Sohn, versprochen. Diesen Segen erbitten wir am Neujahrstag. Schon im Buch Numeri hieß es, dass sein Name zum Segen auf die Israeliten gelegt werden solle. Der Name Jesu soll im neuen Jahr auf unseren Lippen sein, er soll uns segnen und behüten.
Staunen wir heute noch einmal an der Krippe wie die Hirten. Staunen wir, dass Gott uns seinen Sohn geschenkt hat, um uns zu seinen Kindern zu machen, wie es der Apostel Paulus sagte. Dann dürfen wir in der Freiheit und Zuversicht der Kinder Gottes durch das neue Jahr 2026 gehen. Diese Bitte möchte ich noch einmal ausdrücken mit einem Gedicht, das mir unlängst in die Hände fiel:
Blick in die Sterne
Eines lass mich behalten,
den Blick in deine Sterne,
dass ich das Händefalten
nicht ganz verlerne.
Wenn ich dich nicht sehe,
mach mein Vertrauen groß,
wenn ich dich manchmal
so gar nicht verstehe
lass du mich, bittschön mein Gott nicht los!
Des Lebens und des Leidens Wellen
schlagen immer höher heran;
wie sollte der Mensch das ertragen,
wenn er nicht mehr glauben,
nicht mehr beten kann?
Drum eines lass mich behalten,
den Blick in deine Sterne,
dass ich das Händefalten,
Hoffen und Staunen
nicht ganz verlerne.
01.01.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler




