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Predigt von Pfarrer Daigeler zum 3. Sonntag im Jahreskreis A

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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, wir hören an den Sonntagen zwischen der Taufe Jesu und dem Aschermittwoch in diesem Lesejahr Abschnitte aus dem Ersten Korintherbrief. Der heilige Paulus hat diese Christengemeinde in Griechenland gegründet. Man merkt in den Briefen, die er den Gläubigen nach seiner Abreise schreibt, wie sehr ihm die Ortskirche weiter am Herzen liegt. Freilich sind die Apostelbriefe nicht nur ein „Urlaubsgruß“ o.ä., sie gehen intensiv auf Fragen oder Probleme in der Christengemeinde ein.

Gleich zu Anfang spricht Paulus das Thema an. Es geht ihm um die Einheit. Und es fügt sich gut, dass wir diese Lesung heute – am letzten Tag der Gebetswoche für die Einheit der Christen – hören. In Korinth sind offenbar Spaltungen entstanden: „Ich halte zu Paulus, ich zu Apollos, ich zu Kephas, ich zu Christus“… Das will der Apostel in keinem Fall dulden. „Seid einmütig“, ist seine klare Mahnung.

Nun kann man solche Texte als historische Dokumente sehen, die uns Auskunft geben über die Entwicklung der frühen Kirche. Als Gläubige sehen wir in ihnen aber immer auch Weisungen für uns. Und die Frage der Einheit ist bleibend aktuell. Die ganze Geschichte der Christenheit durchzieht die Versuchung, Parteiungen und Gruppen zu bilden. Und wie in Korinth gehen diese Gruppen stets davon aus, dass sie die „eigentliche“ Auslegung sind. Dafür führen sie unterschiedliche Begründungen an. In Korinth waren es zum Beispiel Menschen, die eine besondere charismatische Begabung für sich beanspruchten. Das gibt es auch heute, dass mir Menschen erzählen, aber der Pater dort hat es so gelehrt oder bei der Erscheinung hier wurde dieses gesagt… Und stets wird der Anspruch erhoben, die bessere Auslegung des Glaubens gefunden zu haben. Umgekehrt gibt es in unserer Kirche Gruppen, die mir erzählen: Wir müssen den Glauben mehr an den Zeitgeist, an veränderte Lebensweisen der Menschen anpassen. Auch hier wird der Anspruch erhoben, die bessere Auslegung des Glaubens gefunden zu haben. Beides sind reale Bedrohungen für die Einheit des Leibes Christi.

Was könnte eine Antwort sein? Der Apostel Paulus unterstreicht, dass er die Christengemeinde nicht durch „gewandte“ Reden oder eine besondere Vision gegründet habe, sondern durch die Verkündigung des Evangeliums. Damit haben wir einen ersten wichtigen Punkt. In der Mitte der Kirche muss die Verkündigung des Evangeliums stehen. Keine politische Ideologie oder neue Mode, keine Erscheinung hier oder charismatische Prediger dort, sondern schlicht das Evangelium, wie es uns überliefert ist. Es ist das „helle Licht“, von dem bereits Jesaja spricht in der Ersten Lesung – Licht für unseren Weg.

So unverzichtbar das Evangelium ist, allein wird es nicht reichen. Denn über die Auslegung des Evangeliums gab es und gibt es Streit. Darum legt uns das Evangelium zwei wichtige, weitere Kriterien für die Einheit ans Herz.

Das ist zunächst die Umkehr. Jesus verkündet das Evangelium vom Reich Gottes und beginnt mit den Worten: „Kehrt um!“ Und gemeint sind nicht „die anderen“, von denen wir überzeugt sind, dass „die“ es falsch verstanden haben. Sondern gemeint ist jeder von uns. Es gibt kein Christsein ohne beständige Umkehr. Wir haben den Glauben nicht in einem Paket empfangen und können nicht sagen: Ich habe alles begriffen. Es ist ein „Schatz in zerbrechlichen Gefäßen“, der uns immer wieder herausfordert, mehr zu vertrauen, neu hinzuschauen und hinzuhören und immer noch etwas dazuzulernen.

Schließlich wird im Evangelium ein weiterer Punkt benannt. Die Gründung der Kirche beginnt mit der Verkündigung des Evangeliums. Das Leben des Christen gelingt nur in der beständigen Bereitschaft zu Umkehr. Damit das aber nicht in Vergessenheit gerät, beruft Jesus Apostel. Allen sagt er sein Wort, einigen vertraut er den besonderen Dienst der Auslegung an. Das nennen wir in unserer katholischen Kirche das „Lehramt“. Es dient der Einheit. Und hier erlebe ich bei allen Gruppen in der Kirche – links wie rechts – eine schwindende Bereitschaft, Weisungen der Kirche anzunehmen, wenn sie nicht in mein Bild und meine Gewohnheiten passen.

Der Papst und die Bischöfe sind an das Evangelium gebunden. Sie sind nicht „Herren“, sondern „Diener des Wortes“. Und doch haben sie den Auftrag, Formen zu suchen, die eben diesen Glauben fördern. Umso mehr müssen wir um gute Bischöfe und Priester beten und für sie beten. Und wir müssen für uns beten um Demut und den Mut zur Umkehr, damit die Einheit wächst. Amen.

25.01.2025, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

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