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Predigt von Pfarrer Daigeler zum Ostermontag

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

die Kirche ist in ihrer Liturgie eine große Lehrmeisterin. Pädagogisch nimmt sie uns in diesen österlichen Tagen immer tiefer hinein in das Geschehen der Auferstehung Jesu – und vor allem erschließt sie die Bedeutung der Osterbotschaft für uns, für unser Leben heute.

Bei einem solch außergewöhnlichen Geschehen ist die naheliegende Frage: Wie war denn das? Was ist da geschehen? Diese Fragen wurden in den Evangelien der Osternacht und des Ostersonntags beantwortet. Sie sprechen vom leeren Grab, das zunächst die Frauen, dann auch die Apostel sehen. Sie sprechen vom Glauben, der leise wächst, dass der, der am Kreuz starb, lebt. Und sie sprechen von Maria von Magdala, der Apostola Apostolorum, die als Erste den Auferstandenen sehen darf und gleichzeitig lernen muss: „Halte mich nicht fest“. In der bisherigen Weise ist die sichtbare Gemeinschaft mit Jesus nicht festzuhalten.

Doch wie soll die Gemeinschaft mit Jesus denn nun für seine Jünger und für uns, seine Freunde, aussehen? Hier weist uns das Evangelium vom Ostermontag den Weg. Der Evangelist Lukas erzählt von zwei Jüngern, die sich enttäuscht von dem Geschehen in Jerusalem abwenden. Sie wenden sich damit zunächst auch vom Glauben an Jesus ab. Das, was sie von ihm angenommen hatten, war vor ihren Augen am Kreuz zerbrochen und mit der Grablegung Jesu beendet. „Wir aber hatten gehofft…“ Wir hatten gedacht, dass der Messias so handeln müsse, wie wir es erwarten, uns vorstellen, uns wünschen… Eine Erfahrung, die uns nicht fremd ist. Ja, für viele Menschen werden solche Erfahrungen in Zeiten von Krankheiten oder Krisen zu einer echten Belastungsprobe ihres Glaubens.

Und dieses Beharren auf den eigenen, menschlichen Erwartungen an Gott kann – wie es bei den Emmaus-Jüngern geschah – dazu führen, dass wir Jesus nicht mehr bemerken, obgleich er mit uns auf dem Lebensweg geht. Doch der Herr hat Geduld, nicht nur mit den Emmaus-Jüngern, auch mit uns. Er geht mit uns, er hört unser Fragen und Klagen. Doch er kann sich erst zeigen, wenn wir ihm die Tür unseres Herzens öffnen. Das kann er den Jüngern und auch uns nicht abnehmen. Doch, fast am Ende ihres Weges gelangen sie zu eben dieser Gnade, die sie mit einfachen Worten aus ihrem Innersten aussprechen: „Herr, bleibe bei uns.“

Und der Herr bleibt bei ihnen. Er, das fleischgewordene Wort Gottes – er, der in Betlehem, zu deutsch: „Haus des Brotes“, zur Welt kam – er, der in der Synagoge von Kafarnaum sagte: „Wer mein Fleisch isst, der bleibt in mir und ich in ihm“ – er, der beim Letzten Abendmahl, sein Kreuzesopfer in die Gestalten von Brot und Wein legte, als er sagt: „Das ist mein Leib, der für euch gegeben, und mein Blut, das für euch vergossen wird“ – er will nicht bloße Erinnerung, nicht bloß eine schöne Geschichte bleiben. Er will bei uns bleiben – leibhaft und wahrhaft. Das erfahren die Jünger in Emmaus, als er das Brot teilt und ihnen reicht. Dann müssen sie ihn nicht mehr sehen, denn sie wissen: Er bleibt bei ihnen im gewandelten Brot der Eucharistie. Ja, hier ist der Auferstandene immer bei uns. Was für ein Geschenk.

So schmerzlich wir in diesem Jahr die österliche Kommunion vermissen, umso mehr wollen wir sie schätzen und ehren, umso mehr wollen wir beten: Herr, bleibe bei uns! Und er verlässt uns gewiss nicht. Im Tabernakel hat er sein Zelt unter uns aufgeschlagen und ruft uns zu: Ich bin auferstanden und bin immer bei euch. Amen.

13.04.2020, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

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