logo pg liborius wagner Stadtlauringen

Predigt von Pfarrer Daigeler am Weihnachtstag

Download Audiodatei der Predigt

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, unsere Welt ist voller Worte. Manche Worte werden leicht dahingesagt oder sind Geplauder. Manche Worte sind voll Kritik oder Wut. Andere Worte sind Lüge oder voll Heimtücke. Wieder andere Worte sind gütig und aufbauend, absichtslos tröstend. Die lauten oder geschliffenen Worte setzen sich oft durch. Manch leises Wort könnte den Weg weisen, es geht aber unter.

Wie soll man hier unterscheiden oder sich zurechtfinden? Dieser Frage geht offensichtlich auch der Hebräerbrief nach. „Vielfältig und auf vielerlei Weise“ hat Gott einst gesprochen, hieß es in der Zweiten Lesung. Immer wieder nimmt Gott einen Anlauf, mit seiner Botschaft durchzudringen bis in die Herzen der Menschen. Es ist offenkundig, dass diese Botschaft auf unterschiedliche Ohren traf und trifft. Das muss nicht unbedingt böser Wille sein. „Was soll ich denn noch alles machen?“, wendet vielleicht mancher ein. Bei so vielen Aufgaben im Beruf und in der Familie soll ich auch noch Beten, in die Kirche gehen, in der Heiligen Schrift lesen…?

Ich kann das verstehen. Keinem fällt das immer leicht. Gleichzeitig kennen viele die Erfahrung, von der der Prophet Jesaja spricht. In der Ersten Lesung konnten wir von einer Sehnsucht hören nach einem, der „frohe Botschaft bringt und Heil verheißt“. Von einer Stadt, die in Trümmern liegt, war dort die Rede. Es muss nicht immer so dramatisch sein, obwohl es auch das geben kann. Doch die Erfahrung kann auch schlichter sein, dass ich traurig bin und auf ein tröstendes Wort warte – dass ich gescheitert bin mit einem Vorhaben, dass ich ratlos bin und auf ein wegweisendes Wort warte – dass ich gestritten habe und auf ein versöhnendes Wort warte…

An Weihnachten dreht sich gleichsam alles um genau dieses Wort. Gott spricht sein Wort der Versöhnung, des Trostes, der Orientierung, der Hoffnung. Und damit dieses Wort nicht einfach so dahingesagt ist und schnell verfliegt, wird das Wort Fleisch. So haben wir es gerade im Prolog des Johannesevangeliums gehört. „Das Wort ist Fleisch geworden“. Das ist ein Schlüsselsatz des Evangeliums, den wir sogar in das täglich Angelus-Gebet übernommen haben. Alles setzt Gott ein, damit sein Wort Aufnahme findet. Er wird Mensch, er spricht menschliche Sprache, er zeigt uns in dem Christuskind ein menschliches Gesicht. Alles, damit wir ihn hören und seinem Sohn glauben.

Die Frohe Botschaft ist: Es tut uns gut, auf dieses Wort zu hören. Freilich kostet es Mühe, Freiraum zu schaffen, um im Gebet und im Gottesdienst auf Sein Wort zu hören. Doch immer ist das Wort Gottes ein Geschenk, das tröstet und befreit, das Orientierung und Halt gibt. Das feiern wir heute in besonderer Weise am Weihnachtsfest.

Das Fleischgewordene Gotteswort will natürlich auch unser Sprechen prägen. Darum ist Jesus auch Mensch geworden, damit wir gleichsam seine Sprache lernen. So lädt uns das Weihnachtsevangelium auch ein, unsere Worte zu bedenken. Wenn wir eingangs über die unterschiedlichen Arten von Worten nachgedacht haben, dann gibt uns die Weihnachtsbotschaft eine Antwort. Das Wort kam in die Welt, uns Kunde zu bringen, wer Gott ist und wie Gott ist: „Gnade und Wahrheit“. Das könnte für uns Christen konkret heißen: Ich sage nur Wahres. Ich sage nur Wesentliches. Ich sage nur Heilendes… Was für eine Wirkung könnte diese Weihnachtsbotschaft in unserer Welt entfalten! Amen.

25.12.2025, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

­