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Predigt von Pfarrer Daigeler zum 4. Adventssonntag A

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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, wir sind am Vierten Adventssonntag angelangt. Und das Evangelium legt uns zur Vorbereitung auf Weihnachten die ersten Verse des Matthäusevangeliums vor. Der Blick geht interessanterweise auf den heiligen Josef. Es lohnt sich, heute einmal auf diesen stillen, doch wichtigen Heiligen zu schauen.

Josef ist der Mann Mariens. Sie leben noch nicht in einem Haushalt, darum spricht das Evangelium davon, dass die beiden zu diesem Zeitpunkt „verlobt“ waren. Vielmehr als in diesen ersten Zeilen erfahren wir im Evangelium nicht über Josef. Aber in der Erzählung vom Traum des Josef erfahren viel über seinen Glauben.

Für uns ist ein Traum meist das, was wir als nicht oder weniger wirklich bezeichnen als die Dinge, die wir „wach“ erleben. Das ist nicht falsch. Wir haben in der Adventszeit die Mahnung zur Wachsamkeit gehört. Und doch reichen die Augen nicht aus, um die ganze Wirklichkeit zu erfassen. Es gibt auch eine Form der Blindheit, die daher kommt, dass man meint, das, was meine Augen sehen, ist die ganze Welt. Josef muss lernen, dass sein erster Eindruck nicht die ganze Wirklichkeit ist. Sein erster Eindruck ist: Maria ist schwanger. Sie wird ihn also mit einem anderen Mann betrogen haben… Mit seinen Augen und Ohren allein kann er diesen Verdacht nicht ausräumen. Es braucht ein Herz voll Vertrauen.

Und das fällt nicht vom Himmel. Matthäus hält fest, dass Josef „gerecht war“. Mit diesem kleinen Wort fasst er zusammen, dass Josef in seinem täglichen Leben ein glaubender Mann war. Josef war bemüht im Alltag gehorsam gegenüber Gottes Weisungen zu leben. Die Geschichte beginnt also nicht mit dem Traum. Durch die Übung des Glaubens ist Josef überhaupt erst empfänglich für die Sprache Gottes. So kann er verstehen, was Gottes Auftrag für ihn ist. Glaube hat viel mit Einübung zu tun. Wir müssen immer wieder hören, was Gott bereits getan hat. Darum lesen wir die Heilige Schrift. Darum hören wir von den Glaubenserfahrungen heiliger Männer und Frauen. So lernen wir gleichsam Gottes Sprache, damit wir ihn verstehen, wenn er zu uns spricht.

Josef versteht und er tut, „was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte“. Er hat um diese Zustimmung gerungen. Das sagt uns das Evangelium deutlich. Sein Glaube wie unser Glaube fordert einen Sprung des Vertrauens. Aber dann versteht Josef: Nicht irgendwer, nicht „die anderen“, sondern ich bin gefragt, konkret zu handeln.

Wir glauben als Christen nicht an ein „höheres Wesen“ oder eine „allgemeine Ewigkeit“. Das wäre leicht, weil es unverbindlich ist. Wir glauben, dass Gott in unserer Geschichte gehandelt hat, dass Gott wirkt inmitten unseres Lebens. Zu diesem Glauben findet der heilige Josef. Und weil Gott konkret handelt, muss auch der Glaube konkrete Handlung sein. Josef bekennt mit Taten: „Ich glaube dir“. Er nimmt Maria zu sich und sorgt für das Jesuskind.

Und indem Josef Vertrauen schenkt, wird er beschenkt. Wie es Jesaja vorausverkündet hat: Die Jungfrau wird empfangen. Sein Name wird sein „Immanuel“ – „Gott mit uns“. Nicht vorab, nicht voraussetzungslos, sondern durch das Wagnis des Vertrauens und durch die Treue seines Handelns darf Josef erleben: Gott ist treu. So will uns heute am Vierten Advent der heilige Josef helfen, dass auch wir Gott vertrauen. Nicht nur unseren Augen wollen wir trauen, sondern ebenso der Zusage Gottes, dass er mit uns ist – auch in den Stunden, wo wir ihn nicht verstehen. Und bleiben wir – wie Josef – bei den Menschen, die uns brauchen. Glauben wie Josef, heißt immer auch großzügig Helfen. Amen.

21.12.2025, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

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