Predigt von Pfarrer Daigeler zum Fest der Taufe des Herrn A
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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, unlängst habe ich ein Interview gelesen: Angesichts der Veränderungen der Bestattungsgesetzgebung, wo in Rheinland-Pfalz nun z.B. die Urne nicht mehr beigesetzt werden muss, warb ein Bischof dafür, den Menschen weiter entgegenzukommen. Auch wenn ihre Wünsche den kirchlichen Regeln unter Umständen nicht entsprächen, solle man das doch weitgehend unterstützen…
Für manchen klingt das vielleicht gut, mich überzeugt es nicht. Ich gebe zu, dass sich äußere Formen immer verändert haben und verändern dürfen. Es ist auch sicher sinnvoll, nicht nur von Regeln, sondern auch von konkreten Situationen her zu denken. Aber am Ende drücken sich viele um die Frage: Woran erkennt man eigentlich, dass wir Christen sind und woran wir glauben?
Ich höre innerkirchlich schon den Vorwurf, dass die „kleine oder exklusive Herde“ doch nicht angestrebt werden kann. Das will auch ich nicht. Aber ich würde sagen, dass Klarheit dem Menschen hilft. Und der christliche Glaube kennt nunmal auch Grenzen. Er kennt ein Drinnen und ein Draußen. Das merken wir, wenn wir heute die Taufe Jesu feiern und dabei über unsere Taufe nachdenken.
Über viele Jahrhunderte waren nahezu alle Menschen bei uns getauft. Die Frage, welchen Unterschied die Taufe ausmacht, stellte sich daher schlicht nicht. Heute ist das aus verschiedenen Gründen anders. Es gibt zahlreiche Menschen, die haben gar kein religiöses Bekenntnis. Es sind Menschen in unser Land eingewandert, die andere Religionen haben. Und es gibt auch Eltern, die – obwohl sie selbst getauft sind – ihre Kinder nicht taufen lassen. Es ist schlicht nicht mehr der Normalfall, dass mein Nachbar oder mein Arbeitskollege auch Christ, auch Mitglied der Kirche ist. Das kann man bedauern, aber es ist zunächst ein Faktum.
Nun macht das gar nicht wenigen Menschen Sorge. Sie meinen, dass die Bedeutung der Kirche mit der Zahl ihrer Mitglieder abnimmt. Ich finde auch das traurig, aber es erinnert mich daran, dass Christsein immer etwas mit einer Entscheidung zu tun hat. Genau das sehen wir ja im Evangelium heute. Da gibt es zunächst Menschen, die wollen etwas in ihrem Leben verändern. Darum kommen sie zu Johannes an den Jordan, um sich taufen zu lassen. Die Taufe bedeutet also zunächst: Mein Leben braucht Erneuerung und Umkehr, es braucht eine klare Ausrichtung. Nicht das, was alle machen, nicht das, was auf Mehrheiten stößt, ist entscheidend, sondern das, was den Weisungen Gottes entspricht. Das muss man meinem Leben aber auch konkret anmerken – auch am eingangs erwähnten Beispiel der Bestattungsform. Woran sehe ich z.B., dass ich an die Einmaligkeit der Person glaube, dass ich an die Auferstehung glaube…?
Dadurch, dass sich Jesus taufen lässt, bekommt die Taufe aber noch eine weitere Bedeutung. Die Stimme vom Himmel sagt: „Dieser ist mein geliebter Sohn“. Das schafft Klarheit, wer Jesus ist. Und es sagt, dass alle, die sich nach dem Vorbild Jesu taufen lassen, damit Jesus bekennen als den Sohn Gottes. Wer bekennt: „Jesus ist der Sohn Gottes“, der wird selbst ein Kind Gottes, Erbe seines Reiches. Das ist Geschenk und Auftrag der Taufe.
Sagen wir es ehrlich: Zu diesen Schritt ist nicht jeder bereit – aus unterschiedlichen Gründen. Aber sollte es für mein Handeln als Seelsorger oder für unser Handeln als Kirche Christi keine Auswirkungen haben, ob jemand mit uns diesen Glauben bekennt und versucht, diesem Glauben konkreten Ausdruck im Leben zu geben? Das überzeugt mich nicht. Gott schaut „nicht auf die Person“, sagt der Petrusbrief. In der Kirche ist jeder willkommen, der Gott „fürchtet und tut, was recht ist“. So fasst es die Zweite Lesung zusammen. Bekräftigen wir heute unseren Taufglauben und gehen wir mit neuer Freude daran, aus den Weisungen des Glaubens unser Leben zu gestalten. Das ist die beste Werbung für unsere Gemeinschaft. Amen.
11.01.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler




