Predigt von Pfarrer Daigeler zum Jahresschluss 2025
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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, „Pilger der Hoffnung“ gab uns der verstorbene Papst Franziskus als Motto für das Heilige Jahr 2025 mit. Dieses Wort hat viele Menschen angesprochen – beide Aspekte: die Hoffnung, die uns tragen soll, und die Pilgerschaft, die uns aufgegeben ist. Von Jesus haben wir das Bild des Weges, das unser Christsein beschreibt. „Folge mir nach“, sagt er. Und legt damit die Spur, wie Christsein gelingt: Seinem Weg folgen. Das ist nie abgeschlossen. Immer wieder gilt es aufzubrechen und zu lernen, doch bei allem dürfen wir Hoffnung haben, weil der Herr mit uns auf dem Weg ist.
Als in diesem Jahr Papst Franziskus am Osterfest starb, wählten die Kardinäle einen neuen Heiligen Vater. Papst Leo XIV. steuert seit dem 8. Mai das Schifflein Petri. Dabei leitet ihn sein bischöfliches Motto „In illo uno unum“. Dieses Wort des heiligen Augustinus unterstreicht das wichtige Anliegen der Einheit. Der Papst ist in unserer Kirche das sichtbare Fundament der Einheit. Und das ist in einer zerrissenen Welt ein großer Schatz. Wir gehören zu einer weltweiten Familie. Diese Einheit muss nicht erst erfunden werden. Sie ist uns vom Herrn geschenkt. Aber diese Einheit muss bewahrt und gefördert werden. Das gilt für die weltweite Kirche. Das gilt aber auch für unsere lokale Ebene. Wir müssen aufeinander zugehen. Am Ende ist es ganz schlicht: Die Menschen, denen der Glauben wichtig ist, müssen zusammenfinden. Die Vereinzelung bedroht den Glauben. Die Gemeinschaft stärkt den Glauben.
Die Einheit ist also auch ein Auftrag. Denn die Einheit der Kirche kommt vom Herrn her. In Christus erfahren wir Einheit. Im November besuchte unser Heiliger Vater den türkischen Ort, der in der Antike Nicäa hieß. Hier fand im Jahr 325 ein wichtiges Konzil statt. Vor 1700 Jahren versammelten sich dort Bischöfe aus den damals bereits bestehenden, christlichen Diözesen. Im Kern ging es um die Frage: Wer ist Jesus Christus? Das Konzil gab die bleibend gültige Antwort: Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. In diesem knappen Bekenntnis liegt der Grund, warum wir Hoffnung haben dürfen. Gott ist nicht fern von uns. Er hat sich uns wahrhaft gezeigt in seinem Sohn, damit wir ihm glauben und so das Leben haben. Wir kennen Gott, weil Jesus uns „Kunde gebracht“ hat, wie wir es in der Weihnachtsbotschaft gehört haben.
Hier braucht es Klarheit: Was glauben wir? Wer sind wir? Eine „Wischi-waschi-Kirche“ braucht letztlich niemand. Wir werden nicht alle Menschen erreichen. Das ist Jesus auch nicht gelungen. Aber wir werden nur Menschen erreichen, wenn wir eine klare Botschaft haben, wenn wir – salopp gesagt – eine klares „Produkt“ haben. Wir kennen den Retter, der uns den Weg zeigt. Wir tappen nicht im Dunkeln. Ohne Überheblichkeit, in aller Demut, doch in großer Zuversicht und Klarheit dürfen wir davon Zeugnis geben.
Was das vergangene Jahr gebracht hat, vermag ich nur allgemein zu sagen. Jeder von uns kann heute am letzten Tag des Jahres seine Erinnerungen dazu legen: dass vielleicht ein Kind in Ihrer Familie zur Welt kam; dass Sie von einem lieben Menschen Abschied nehmen mussten; jeder weiß, was ihm gelungen ist und was offen geblieben ist… Wir bringen es heute zum Herrn, dem Grund unserer Hoffnung. Was gut war, möge er bewahren und Frucht tragen lassen. Was böse war, möge er in seiner Barmherzigkeit tilgen. Meine Bitte ist heute Abend, dass wir im Glauben gestärkt vorangehen, aufeinander zu, miteinander vereint. Wir wollen gemeinsam Zeugnis geben von ihm, dem einen Herrn und Retter Jesus Christus. Amen.
31.12.2025, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler




