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Predigt von Pfarrer Daigeler in der Heiligen Nacht

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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, zum Weihnachtsfest gehören unersetzbar die Worte des Evangelisten Lukas. Oft veranschaulichen uns auch Kinder mit dem Krippenspiel die Herbergssuche von Maria und Josef, die Geburt des Heilands im Stall von Betlehem und die Botschaft der Engel an die Hirten auf den Feldern. Die Alten haben sie schon häufig gehört, für die Kinder ist sie neu. Für alle ist es wichtig, diese Frohe Botschaft immer wieder zu hören, damit sie uns zu Herzen geht.

Warum? So könnte man einwenden. Was hat sich denn verändert in unserer Welt durch diese Botschaft? Gibt es nicht weiter Krieg in so vielen Ländern und Streit in Familien? Gibt es nicht weiterhin Not und Elend an vielen Orten und Kinder, die keine Aufnahme finden wie das Kind von Betlehem?

Diese Beobachtungen sind nicht von der Hand zu weisen. Und ich will sie hier auch nicht schönreden. Doch ich würde sagen: Umso wichtiger ist es das Weihnachtsevangelium zu verkünden und zu hören. Die christliche Botschaft ist nicht naiv. So als würde alles zu Harmonie am Weihnachtsfest. Im Evangelium lesen wir anderes. Gott kommt in die Welt. Das ist die zentrale Botschaft. Und in seiner Erzählung legt der heilige Lukas Wert darauf zu unterstreichen, dass der Gottessohn nicht in eine ideale oder künstliche Welt kommt. Er kommt in die Welt, wie sie nun einmal ist. Mit den Herrschern, die da alle aufgezählt werden, die weiter auf ihren Thronen sitzen; mit den Bequemen und Egoistischen, die sich in ihren Häusern verschließen; mit dem beschwerlichen Weg, den Maria und Josef zu gehen haben für ihre Ehe und um Obdach zu finden… In dieses Leben kommt das Jesuskind. Und er sagt mir: Er will auch in mein Leben kommen, ob ich heute fröhlich bin oder ob es bei mir gerade drunter und drüber geht. Und wer „guten Willens“ ist, heißt es von den Engeln, der darf die Nähe des Heilands erfahren. Gott ist Mensch geworden, damit keiner sagen braucht: Ich bin allein. Mit allen will er sein, die einsam sind oder in der Familie – nicht nur heute Abend, an allen Tagen.

Weihnachten ist eine leise Botschaft, darum wird sie leicht überhört. Kein großer Herrscher, kein schillernder Star – „ein Kind ist uns geboren“. Alle Hoffnung liegt in diesem Kind. „Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten“, schreibt Paulus an seinen Schüler Titus. Unsere Welt ist nicht verloren! Es ist Rettung zu finden in diesem Kind für jeden, der es aufnimmt.

Doch wer das Christuskind aufnimmt, dessen Leben wird verändert. Im Kleinen wächst sein Hoffnungslicht, damit wir in unserem Alltag beginnen, friedlicher und gütiger zu sein. Sehr schön drückte das der Dichter Karl Heinrich Waggerl aus: „Wir warten bang auf den Engel mit der Botschaft des Friedens und überhören so leicht, dass diese Botschaft nur denen gilt, die guten Willens sind. Es ist keine Hilfe und keine Zuflucht bei der Weisheit der Weisen und bei der Macht der Mächtigen. Denn der Herr kam nicht zur Welt, damit die Menschen weiser, sondern damit sie gütiger würden. Und darum sind es allein die Kräfte des Herzens, die uns vielleicht noch werden retten können.“ Amen.

24.12.2025, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

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