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Predigt von Pfarrer Daigeler zum 2. Sonntag der Weihnachtszeit

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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, wo sind Sie daheim? Das ist eine wichtige Frage, um einen anderen Menschen kennenzulernen. Mancher verbringt sein ganzes Leben dort, wo er auf die Welt gekommen ist. Andere ziehen aus familiären oder beruflichen Gründen mehrfach um. Und vielleicht kennen Sie die Erfahrung, dass es Menschen gibt, die Jahrzehnte an einem Ort leben, aber immer noch von dem Ort als Heimat sprechen, wo sie ihre Kindheit und Jugend verbracht haben.

Heimat ist also nicht bloß ein Aufenthaltsort. Sie ist mit Erfahrungen und Gefühlen verbunden. Sie ist dort, wo mein Herz gebunden ist, dort, wo ich – wie es in der Ersten Lesung hieß – „Wurzeln gefasst“ habe.

Die Weihnachtszeit ruft uns mit ihren Festen das Ereignis ins Gedächtnis, dass Gottes Sohn unter uns „gewohnt“ hat. Wir haben es gerade im Evangelium erneut gehört. Schon am Ersten Weihnachtsfeiertag haben wir dieses Vorwort des Johannesevangeliums gehört. Es dreht sich um das Wort Gottes, das in die Welt kommt, das Aufnahme sucht, aber sehr unterschiedlich aufgenommen wird. Offen wird benannt, dass es Menschen gab und gibt, die Gottes Wort nicht aufnehmen oder es ablehnen. Ebenso wird gesagt, dass alle, die es aufnehmen, reich beschenkt werden mit der Gabe der Gotteskindschaft.

Wo ist der Sohn Gottes daheim? Ich unterstelle, dass viele in ihrer Vorstellungswelt Himmel und Erde unterscheiden. Es gibt die Welt Gottes und es gibt unsere Welt. So weit, so logisch. Und ich kann nicht einfach widersprechen. Die Heilige Schrift bezeugt uns aber bereits auf den ersten Seiten, dass Gott diese Unterscheidung überwunden hat. Das Buch Genesis, das erste Buch der Bibel, drückt das aus mit dem Begriff „sprechen“. Vielleicht haben Sie es im Ohr. Dort heißt es immer wieder: „und Gott sprach“. Sprechen hat immer etwas mit Beziehung zu tun, es geht um Mitteilung. Gott will tatsächlich sein Leben mit uns Menschen teilen. Das Buch Jesus Sirach meditiert denselben Gedanken, wenn es von der „Weisheit Gottes“ spricht, die inmitten des Volkes Israel ihr Zelt aufschlägt und Wohnung nimmt. Und Johannes verkündet uns im Evangelium, dass eben dieses Geschehen in Jesus sogar greifbar geworden ist: „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“

Gott will zugleich bei sich wohnen und unter uns sein. Das klingt wie ein Widerspruch. Viele Weltanschauungen halten die Trennung hoch zwischen Gott hier und der Welt dort. Die christliche Botschaft setzt ein „und“. Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Er ist am Herzen des Vaters und zugleich mit uns auf dem Weg.

Staunenswert ist dieses weihnachtliche Geheimnis. Zugleich ist es die Grundlage unseres Glaubensbekenntnisses. Es geht aber noch einen Schritt weiter. Der Apostel Paulus betet für die Gemeinde in Ephesus, dass sie erkenne, „zu welcher Hoffnung sie berufen“ ist, welches Erbe ihr zugesagt ist. Denn Christus hat unter uns gewohnt, damit wir einmal bei ihm wohnen dürfen. Gott ist in unsere Welt gekommen, damit wir den Weg in seine Welt finden. Darum spricht die Kirche in ihren Gebeten von Weihnachten als dem „Fest unserer Erlösung“ (Messe vom Hl. Abend). Und in den Weihnachtsliedern singen wir davon, dass uns die „rettende Stund“ geschlagen hat, dass uns das Himmelstor offensteht. Der Weg dorthin liegt klar vor uns: Wer Christus Wohnung in seinem Herzen gibt, der wird bei ihm Heimat finden. Amen.

04.01.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

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