Predigt von Pfarrer Daigeler zum 6. Sonntag im Jahreskreis A
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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, seit einigen Monaten arbeite ich in einer Arbeitsgruppe mit, die das deutschsprachige Messbuch ergänzen und bearbeiten soll. Beim Feilen an einem Tagesgebet ging es um die Formulierung, dass Gottes Gebote uns „Freude schenken“. Natürlich wissen Theologen um die Richtigkeit dieser Aussage. Auch als Christgläubige wollen wir dem gerne zustimmen. Gleichzeitig schrecken wir aber vielleicht ein wenig zurück, zu bitten, dass wir Freude haben sollen an Gottes Geboten.
Für gar nicht wenige Menschen ist das Wort „Gebot“ eher negativ konnotiert. Gebote, so meinen sie, schränken die freie Entfaltung und eigene Entscheidung ein. Sie seien darum eher eine Last als eine Freude…
Der Apostel Paulus unterscheidet in seinem Korintherbrief zwischen einer „Weisheit dieser Welt“ und der „Weisheit Gottes“. So sehr wir als Menschen Teil der Gesellschaft sein mögen und nicht durch skurrile Eigenheiten unter den Nachbarn auffallen möchten, als Christen unterscheiden wir uns doch in unserem Blick auf die Wirklichkeit. Wir sehen keine andere Welt, aber wir sehen sie im Licht des Glaubens. Und unterschiedliche Beleuchtung lässt uns oft mehr erkennen als trübes Dämmerlicht.
Was heißt das für unsere Fragestellung? Freilich bedeuten Gebote auch Einschränkungen und Grenzen. Jesus benennt in seiner Bergpredigt einige mit großer Deutlichkeit. Wir haben im Evangelium davon gehört, was man mit bösen Worten oder mit übler Nachrede anrichten kann. Wir haben etwas von der Vergebungsbereitschaft gehört. Jesus sprach über den Wert der ehelichen Treue und über die Versuchungen, die es nun einmal gibt. Und wir hörten über die Klarheit und Wahrhaftigkeit der Rede. „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein“.
Diese Gebote sind herausfordernd. Etwas anderes zu behaupten, wäre naiv. Doch weil wir uns für Christus entschieden haben, wollen wir uns dieser Herausforderung stellen. Es kommt vor, dass wir dahinter zurückbleiben. Dafür gibt es die Buße und die Beichte. Aber wir wollen unsere Entscheidungen, unser Denken, Reden und Handeln immer wieder in das Licht dieser Weisungen stellen. Das macht unser Christsein aus.
Denn im Licht dieser Weisungen merken wir, dass es nie allein um meine Freiheit und meinen Entscheidungsspielraum geht. Es geht immer auch um den anderen und darum, was mein Tun für ihn bedeutet und bewirkt. Jesus Sirach sagt, dass ist eine Entscheidung, meine Entscheidung. Die Erste Lesung geht so weit zu sagen, dass es um „Leben und Tod“ geht bei dieser Entscheidung.
Das klingt dramatisch, aber ist es nicht doch so? Meine Art über andere und mit anderen zu sprechen, kann gutes Leben ermöglichen oder Beziehungen töten. Meine Treue und Verlässlichkeit, kann gutes Leben stärken oder Partnerschaften töten. Meine Wahrhaftigkeit hat Folgen, ob das Vertrauen lebt oder stirbt.
Wenn wir all das bedenken, glaub ich doch, dass wir sagen können: Gottes Gebote schenken uns Freude. Freude, weil nicht nur ich allein, sondern wir gemeinsam das gute Leben finden. Darum hat uns Gott „Gebote und Vorschriften“, Weisung zum Leben gegeben und sie in Christus bekräftigt. Amen.
15.02.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler




