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Predigt von Pfarrer Daigeler zum 14. Sonntag im Jahreskreis A

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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, meine Oma sprach, wenn sie von der Arbeit sprach, manchmal vom „Joch“. Dieses Bildwort, das Jesus im heutigen Evangelium verwendet, war Menschen früherer Generationen einleuchtender als uns. Ein Zugtier bekommt ein Joch aufgelegt, damit es die Last ziehen kann.

Das Bild steht beim ersten Hören für Schweres, das es zu tragen gilt. Es kann die Last der Arbeit sein. Es können aber auch andere Herausforderungen sein, wenn etwa das Zusammenleben in Ehe und Familie schwer fällt oder eine Krankheit zu tragen ist. Vieles davon ist unausweichlich. Es kommen aber auch weitere „Joche“ hinzu, wenn Menschen einander das Leben schwer machen durch Herzenshärte. Oder wenn uns jemand etwas anpreist, wo sich letztlich herausstellt: Der wollte mir nur etwas andrehen, der wollte mich für seine Zwecke benutzen… Denken wir an Menschen, die auf Werbung hin so viel kaufen, dass sie überschuldet sind und dieses Joch nicht oder kaum mehr tragen können.

Jesus selbst verwendet dieses Bild vom Joch. „Sanft“, sagt er, ist sein Joch, und „leicht“ ist seine Last. Nun würden nicht wenige Zeitgenossen genau das Gegenteil annehmen, wenn sie ihr Bild vom Christsein schildern. Glaube und Kirche würden den Menschen vor allem Verbote und Gebote und damit schwere Lasten auflegen. Bis hinein in die Kirche gibt es diese Meinung. Darum setzen sich manche dafür ein, einfach die Gebote über Bord zu werfen oder sie abzuschleifen in der Annahme, es so den Menschen „leichter“ zu machen, Christ zu sein.

Das Schwierige, ja Herausfordernde am Christsein ist, so meine ich, dass es weder in die eine noch in die andere Richtung geht. Es geht also weder in den Rigorismus kleinlicher Gesetzlichkeit, noch in den Laxismus des „Tu, was immer du willst“… Christsein ist eine Lebensübergabe. Wir geben unser Leben in Gottes Hand, weil wir wissen: Dort kommt es her, es ist seine Gabe und bei ihm ist mein Leben wirklich in den besten Händen. Und darum vertrauen wir, dass seine Weisungen keine unnötige Last sind, kein Verkaufstrick, sondern Gottes Weisungen machen das Leben erst gut. Wo wir ihm vertrauen, werden wir frei. Das versucht ja der heilige Paulus auszudrücken im Römerbrief. Wer sich vom Geist Christi bestimmen lässt, der muss nicht jedem Trend und jeder Mode nachlaufen, der muss nicht jeder Wunsch und jeder Begierde nachgeben. Der ist frei.

Das ist ein anspruchsvoller Weg. Und ich behaupte nicht, dass ich ihn ganz erfasst hätte. Aber ich bin überzeugt: So gelingt das Leben. Allein das Joch Christi macht uns frei von all den vielen Jochen, die uns die Welt auflegen will: Mach hier mit, mach dort mit… – frei von den vielen Jochen, die wir selbst uns auflegen.

Jesus sagt, Gott habe das den Weisen und Klugen verborgen und den Kleinen und Unmündigen offenbart. Ja, seine Logik passt nicht so ganz ins Bild. Die Erste Lesung, die ja auf den Palmsonntag anspielt, sagt uns, dass Jesus nicht hoch zu Ross, sondern auf einem Esel daher kommt. Das passt nicht ins Bild von einem König. Doch genau darum soll er unser König sein, weil nur er die Demut hat, die es braucht uns ganz und wahrhaft zu lieben. Amen.

09.07.2023, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

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