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Predigt von Pfarrer Daigeler zum 4. Fastensonntag A

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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, in einem Marienlied heißt es: „Wende deine barmherzigen Augen uns zu“. Dieses Bildwort zeigt, dass es offensichtlich unterschiedliche Arten von „Augen“ gibt oder – besser gesagt – dass wir verschiedene „Blicke“ kennen: wohlwollende und kritische, gütige oder neidische Blicke.

Offensichtlich geht es darum auch im heutigen Evangelium. Der heilige Johannes berichtet uns ausführlich von der Heilung eines Blindgeborenen. Alle haben ihr festgefügtes Bild von diesem Mann: die Jünger Jesu, die Pharisäer, seine Eltern… Und sie sind so sehr gefangen in ihren Bildern, dass sie mit allen möglichen Mitteln die Heilung bestreiten. War er überhaupt wirklich blind? Ist das tatsächlich dieselbe Person? Waren nicht vielleicht seine Sünden oder böse Taten seiner Eltern schuld an der Blindheit? War das rechtmäßig, am Sabbat diesen Mann zu heilen?

Und diese vorgefertigten Bilder verstellen zahlreichen Menschen den Blick auf Jesus. Sie verhindern, dass sie sehen, wer Jesus wahrhaft ist. Daher erkennen leider viele nicht, dass Jesus der Heiland ist. Erstaunlich in diesem Evangelium ist: Nur der, von dem man es am wenigsten erwartet hätte, der Blinde, er sieht es und erkennt es. Jesus ist der „Menschensohn“, der Sohn Gottes. „Ich glaube, Herr“, bekennt er vor Jesus.

Gott sieht nicht auf das Äußere, sondern Gott „sieht das Herz“. So haben wir es in der Ersten Lesung bei der Salbung des David zum König gehört. Gott lässt sich nicht von großen Reden oder aufgeputzten Fassaden blenden. Er schaut mit seinen barmherzigen Augen in unser Herz. Darin sieht er, woran ich mein Herz hänge. Er sieht, woran ich wirklich glaube. Offensichtlich hat Jesus bei dem Blindgeborenen Glauben im Herzen gesehen. Nicht umfassend, es ist ja tröstlich, wie uns das Evangelium erzählt, dass auch der Geheilte zuerst noch gar nicht genau weiß, was das bedeutet: Jesus ist der Herr. Er muss nachfragen. Aber er ist bereit, genauer hinzuschauen. Er will etwas lernen. Er will mit Jesus seinen Weg gehen. Und das heilt und rettet ihn.

Darin ist er uns ein wertvolles Vorbild für unseren Weg als Christen. Lassen wir uns nicht abschrecken vom Vordergründigen, wie manches den Anschein hat. Schauen wir genauer hin, dann werden wir überall Gottes Spuren entdecken. Schauen wir mit Vertrauen hin, dann werden wir erfahren, wie Jesus auch uns die Augen öffnet.

Das Misstrauen und die Kritiksucht unserer Tage ist Gift nicht nur für den Glauben, auch für unser Miteinander als Gesellschaft. Wir brauchen „barmherzige Augen“, das lehren uns die Freunde Jesu, allen voran Maria, die Muttergottes. Wir brauchen Augen, die mit Vertrauen sehen – die nicht ständig nur das sehen und groß machen, was schief gelaufen ist, sondern die das viele Gute sehen, das im Kleinen und im Verborgenen geschieht.

„Lebt als Kinder des Lichtes“, ruft uns der heilige Paulus zu. Denn das Licht bringt Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor. Das soll uns leiten. Lassen wir uns vom Licht Christi die Augen öffnen. Amen.

15.03.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

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