Predigt von Pfarrer Daigeler zum Stephanustag
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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, „Segne auch, Höchster, meine Feinde!“ Diese Worte finden sich als letzte Aufzeichnung im Tagebuch des seligen Karl Leisner (1915-1945). Er hatte die Gefangenschaft im KZ Dachau überstanden, war aber so geschwächt, dass er am 12. August 1945 starb. Karl Leisner war zu diesem Zeitpunkt 30 Jahre alt.
Warum erzähle ich von diesem Seligen unseres Landes? Der Zweite Weihnachtstag ist dem heiligen Stephanus geweiht, von dem uns ähnliche Worte kurz vor seinem Tod überliefert sind. Wir haben sie eben in der Lesung aus der Apostelgeschichte gehört. „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an.“ Und wer sich in der Heiligen Schrift auskennt, der wird bemerkt haben, dass der eigentliche Ursprung dieser Worte in der Passion Jesu liegt. Jesus betet sterbend am Kreuz: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“
Nun ist es beim ersten Hören nicht ganz einfach hier eine Brücke zu schlagen zum Weihnachtsfest. Was soll die Leidensgeschichte und das Sterben der Märtyrer mit dem Geburtsfest Christi zu tun haben?
Das ist kein Zufall. Gott wird Mensch in seinem Sohn. Er teilt mit uns das Menschenleben vom Geborenwerden durch eine Mutter bis hin zur Stunde des Todes. Er teilt das Leben mit uns, damit wir unser Leben mit ihm teilen. Und das verdeutlichen uns besonders die Heiligen. Menschen wie Stephanus haben sich von Christus begeistern und prägen lassen. Und das nicht nur oberflächlich, sondern bis in die Tiefe ihrer Seele. So wusste Stephanus: Auch in der bitteren Stunde der Verfolgung und des Todes habe ich Gemeinschaft mit dem Immanuel, dem „Gott-mit-uns“. Selbst im Sterben will Stephanus seinen Herrn nachahmen, damit er auch in der Auferstehung Gemeinschaft mit ihm hat. Darum sieht er den Himmel offen.
Jesus ist in die Welt gekommen, um uns den Himmel aufzuschließen, um uns zu erlösen. Und er hat uns den Weg dorthin gezeigt in dem schlichten Wort: „Folge mir nach!“
Der selige Karl Leisner wurde in der „Hölle von Dachau“ – bereits schwer krank – am 17. Dezember 1944 von ebenfalls inhaftierten, französischen Bischof Gabriel Piguet heimlich zum Priester geweiht. Am Fest des heiligen Stephanus, am 26. Dezember 1944, feiert Leisner in der Priesterbaracke seine Primiz. Es wird die einzige Heilige Messe bleiben, die er als Priester feiern kann. Seine fortschreitende Krankheit lässt es nicht mehr zu. Mit allem, was er ist und hatte, folgte er dem Menschgewordenen Heiland nach.
Gewiss ein außergewöhnliches Zeugnis, aber eines, das uns in seiner „Leidenschaft für Christus“ ermutigen will. Gott ist in die Welt gekommen, damit wir das Leben haben. Und wer dem Christuskind glaubt, dem kann keine Macht dieser Welt die Freiheit rauben. Wer an Jesus glaubt, dem kann keine Macht dieser Welt das Leben rauben. Der Sohn Gottes kam in die Welt, damit wir das Leben haben. Glauben wir ihm! Folgen wir ihm! Amen.
26.12.2025, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler




