Predigt von Pfarrer Daigeler zum 3. Ostersonntag A
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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, für uns sind vertraute Personen und Abläufe wichtig. Viele verabreden sich vorher mit Bekannten, wenn sie auf eine Veranstaltung gehen: „Gehst du auch mit…?“ Einige kennen es, wie anstrengend es sein kann, wenn im Beruf ein neues Computerprogramm oder ein anderer Arbeitsablauf angeordnet wird…
Das Vertraute vermittelt uns eine gewisse Sicherheit. Und Sicherheit ist grundsätzlich notwendig. Und diese Sehnsucht begegnet uns auch im Evangelium. Nach den Ereignissen in Jerusalem, dass Jesus verhaftet, gekreuzigt und begraben wurde, sind seine Jünger verunsichert. Wie soll es weitergehen? So wie sie es gewohnt waren, dass sich gemeinsam mit Jesus auf den Straßen von Palästina unterwegs waren, dass sie ihn unmittelbar fragen konnten, wenn sie etwas nicht verstanden… – so kann es offenkundig nicht weitergehen. Ja, sie waren am leeren Grab. Und der Auferstandene hat sich ihnen sogar gezeigt – aber eben doch nur für einen kurzen Moment.
Simon sagt: „Ich gehe fischen“. In diesem kurzen Satz liegt die ganze Sehnsucht nach der Sicherheit des alten Lebens, des alten Berufs am See Genezareth… Und seine Freunde tun es ihm nach.
In vielen, kirchlichen Diskussionen höre ich diesen Wunsch, den ich gut verstehen kann. Einige sehnen sich nach den „alten Zeiten“, in denen wir als Christen in unserem Land und in unseren Orten die Mehrheit gestellt haben, in denen die Bänke voll waren in der Kirche, in denen man sich nicht rechtfertigen musste, wenn man zum Gottesdienst ging – auch nicht vor sich selbst.
Ich glaube nicht, dass es weiterhilft, in diese Klage einzustimmen. Vielmehr frage ich mich: Was hilft uns aus dem heutigen Evangelium, damit wir einen guten Weg erkennen für uns als Freunde Jesu?
Das Evangelium benennt zuerst und grundlegend, dass der Auferstandene seinen Jüngern nachgeht. Er schreibt sie nicht ab allen Umwegen und Schwächen zum Trotz. Er geht dorthin, wohin sie sich verkrochen haben. Und er bekräftigt ihre Berufung. Er sagt erneut zu Petrus: „Wirf die Netze aus.“ Darum feiern wir Christen Jahr für Jahr Ostern, damit wir wissen: Der Herr lässt uns nie im Stich! Die gesamte Heilige Schrift ist ein Zeugnis dafür, wie sehr Gott um uns Menschen wirbt, wie er dem verlorenen Schaf nachgeht.
Wenn wir darum wissen, dann verstehen wir aber auch ein Zweites. Die Netze bleiben leer, wo Petrus und die anderen nur ihre alten Gewohnheiten pflegen. Technisch läuft alles korrekt ab. Sie haben das Fischen bestimmt nicht verlernt. Aber ohne den Auftrag des Herrn, fangen sie nichts. Wo wir uns in der Kirche nur um unsere eigenen Pläne und Ideen drehen, werden die Netze leer bleiben. Wo wir uns vom Herrn zeigen lassen, wo und wann wir die Netze aufwerfen müssen, da werden wir Menschen für Christus gewinnen.
Das kann freilich nicht jeder einzelne entscheiden. Jesus weist darum dem Petrus die Aufgabe der Leitung zu. Im Evangelium zieht Petrus das Netz an Land. Darum braucht es auch in der Kirche eine gute Ordnung. Die Hirten der Kirche sind ebenso schwach, wie Petrus es war, aber ihr Leitungsdienst ist dennoch nötig. Sonst verläuft sich alles in persönliche Vorlieben oder einseitige Frömmigkeiten.
Schließlich weist uns das Evangelium auf eine doppelte Perspektive hin. Jesus bittet die Jünger um ihre Mitarbeit und gleichzeitig sind auf dem Kohlenfeuer bereits „Brot und Fisch“. Ja, es braucht unsere Mitarbeit. Jeder von uns ist berufen, die Netze auszuwerfen, die Frohe Botschaft weiterzusagen. Und doch liegt es nicht allein an uns. Der Herr ist immer bereit das Seine dazuzugeben zu unseren Gaben. Aus seiner Fülle dürfen wir leben. Amen.
19.04.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler




