Predigt von Pfarrer Daigeler zum Fest Christi Himmelfahrt
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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, ist unsere Welt noch zu retten? Gar nicht wenige Menschen und Gruppen sehen die Zukunft gefährdet. Das kann im wirtschaftlichen Sinn sein, dass man den Verlust unseres Wohlstands befürchtet. Das gibt es unter den Anhängern der ökologischen Bewegung, die von der Sorge angetrieben werden, dass wir durch unseren übermäßigen Verbrauch von Ressourcen die Erde unbewohnbar machen. Auch in gesellschaftlichen Diskussionen breitet sich oft ein Pessimismus aus, der unsere „westliche Welt“ am Scheidepunkt und die Errungenschaften von Demokratie durch Populismus oder autoritäre Systeme gefährdet sieht. Und selbst in unserer Kirche bezweifeln einige, ob das Christsein in unserem Land Zukunft hat.
Diese Schlagworte beschreiben unterschiedliche Wahrnehmungen. Man wird für jede Wahrnehmung auch Gründe anführen können. Und – offen gesagt – wer könnte sich freisprechen, dass er nicht selbst manchmal solche Befürchtungen hegt?
Will ich Ihnen mit diesem zugegeben düsteren Szenario den heutigen Feiertag Christi Himmelfahrt vermiesen? Keineswegs. Ich will vielmehr auf die neue Sicht hinweisen, die uns der Glaube lehrt. Paulus bittet darum, dass den Christen in Ephesus die Augen aufgehen für große Hoffnung, zu der wir durch Christus berufen sind. Wir haben eine realistische Sicht auf diese Welt. Wir stehen in denselben Herausforderungen wie alle Menschen. Aber wir haben eine unerhörte Hoffnung: Der Himmel steht uns offen! Das feiern wir heute an Christi Himmelfahrt.
Dieses Fest verbindet Himmel und Erde, Gott und Mensch, Sorgen und Hoffnung. Darum ist es ein so schönes Fest. Den Jüngern ist zunächst nicht klar, wie es weitergehen soll. Eben hatten sie sich von dem Schock der Kreuzigung Jesu erholt. Die Begegnungen mit dem Auferstandenen haben ihre Hoffnung neu keimen lassen. Und nun geht Jesus aus ihrer Mitte. Kein Wunder, dass sie „zum Himmel emporschauen“, wie es in der Apostelgeschichte hieß.
Aber Jesus entrückt seine Freunde nicht aus dieser Welt und ihren Sorgen. Eure Aufgabe liegt vor euch, könnte man sinngemäß den Engel zu den Jüngern sagen lassen. Christsein bewährt sich nicht in frommen Reden oder verklärten Blicken. Ganz konkret ereignet sich Christsein in der täglichen Zuwendung zum Nächsten, in der gelebten Treue in der Familie, in der Mitarbeit für die Sendung unserer Kirche. Schaut nicht zum Himmel, schaut auf Eure Aufgabe! Und packt sie an. Klagt nicht über den „Untergang“ der Welt, der Kultur oder der Kirche, sondern packt an und handelt im Sinne Jesu!
Gleichzeitig ist uns eine große Zusage geschenkt. Wir haben das Ende des Matthäusevangeliums gehört. Und die Worte Jesu bewahren uns davor zu meinen, es hinge allein an uns oder unserem Können. „Seid gewiss ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“, so hat uns Jesus versprochen. Ja, wir müssen das tun, was in unser Können und Vermögen gelegt ist. Gleichzeitig dürfen wir vertrauen, dass der Herr unser Bemühen begleitet und segnet und so die kleine Saat zu reicher Frucht wachsen lässt. Wir folgen nicht den Panikmachern. Wir brauchen nicht zu errechnen, wie lange diese Welt noch steht. Hier und heute ist meine Aufgabe. Hier und heute ist der Herr bei uns. Und alles, was wir in diesem Geist beginnen, das wird er vollenden, wenn er wiederkommt. Was für eine Hoffnung! Amen.
14.05.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler




