Predigt von Pfarrer Daigeler zum 6. Ostersonntag A
Download Audiodatei der Predigt
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, der Petrusbrief spricht davon, dass wir jederzeit Rede und Antwort stehen sollen von der Hoffnung, die uns erfüllt. Das ist ein klarer Auftrag für uns Christen. Es werden so viele Worte gemacht in unserer Welt und wir sprechen viel in unserem Alltag, da darf ich mir ehrlich die Frage stellen: Ist der Glaube auch ein Thema für mich? Ich gebe gerne zu, dass es nicht immer einfach ist darüber zu sprechen, was mich im Innersten bewegt und trägt. Doch ein Glaube, den wir nicht mehr mit anderen teilen, vertrocknet.
In der vergangenen Woche haben wir eine Wallfahrt nach Kevelaer unternommen. Dabei haben wir auch das Kloster Steyl besucht. Hier hat der heilige Arnold Janssen Ende des 19. Jahrhunderts eine weltweite Missionsbewegung gegründet, die Steyler Missionare. In seiner Zeit war das kirchliche Leben in Deutschland vor große Umbrüche gestellt. Nicht wenige hatten Angst um den Fortbestand der Kirche aufgrund der staatlichen Angriffe im sogenannten Kulturkampf. Doch gerade weil manches unterging, wollte Arnold Janssen etwas Neues beginnen. Ihm war klar, den Glauben erhält man nicht durch Festhalten an Besitzständen, sondern dadurch, dass man die Freude des Evangeliums miteinander und mit anderen teilt. Oder noch einmal in den Worten der Zweiten Lesung: Den Glauben erhält man, in dem man bereit ist, „bescheiden und ehrfürchtig“ allen Menschen Rede und Antwort gibt, die nach der Hoffnung fragen, die uns erfüllt. Die so ausgelöste Missionsbewegung hat nicht nur die Frohe Botschaft in die entlegensten Teile der Welt getragen, sie hat auch den Glauben in der Heimat und in den Missionaren selbst gestärkt.
Der heilige Arnold Janssen vertraute dabei besonders auf den Heiligen Geist. Das mag erstaunen, weil in unserer Frömmigkeit der Heilige Geist oft keine so große Rolle spielt. Vielleicht können wir uns nur schwer etwas vorstellen unter dem Geist, den Jesus verheißen hat. Die Evangelien am Ende der Osterzeit sprechen oft vom Geist, vom „Tröster“ oder „Beistand“, den Jesus seinen Jüngern zusagt. „Ich lasse euch nicht als Waisen zurück“, sagt er. In diesem Versprechen ist gut verständlich erklärt, wer oder was der Heilige Geist ist. Er ist die feste Zusage, dass der Herr immer bei uns ist. Er ist die Kraft, die uns antreibt, weiter im Sinne Jesu zu handeln. Er ist die Weisheit und Orientierung, damit wir wissen, was heute zu tun ist. Er ist das Band der Liebe, das uns mit dem himmlischen Vater und mit Jesus verbindet.
Die Apostelgeschichte erzählt uns von der Begeisterung der Jünger Jesu. Sie können unmöglich schweigen. Sie müssen von der Hoffnung sprechen, die ihnen durch die Auferstehung Jesu geschenkt worden ist. Ihre Botschaft ist so kraftvoll, dass sie unzählige Menschen mitreißt, dass sie aufrichtet und heilt. Das, was die Jünger von Jesus empfangen haben, das teilen sie gerne mit anderen. Die Freude und die Kraft des Heiligen Geistes vermitteln die Apostel durch Handauflegung und Gebet. So ist es bis heute: Die Nachfolger der Apostel, die Bischöfe, teilen im Sakrament der Firmung mit, was die Kirche vom Herrn empfangen hat: den Geist Christi. Die Firmung sendet uns, dass wir Missionare sind, dass wir Hoffnung teilen, dass wir Neues beginnen, auch wo manches untergeht. Als Gefirmte sollen wir Boten des Evangeliums sein, damit immer mehr Menschen Hoffnung schöpfen, weil auch sie Freunde Jesu geworden sind. Amen.
10.05.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler




