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Predigt von Pfarrer Daigeler zum 7. Ostersonntag A

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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, aus der Apostelgeschichte haben wir eben die Fortsetzung von Christi Himmelfahrt gehört. Die ersten Zeilen dieses Buches berichten vom Abschied Jesu von seinen Jüngern und von der Sendung, dass sie seine Zeugen sein sollen „bis an die Grenzen der Erde“. Heute hörten wir in der Ersten Lesung, wie sich danach die Jünger um Maria versammeln und gemeinsam mit ihr um den Beistand, den Heiligen Geist, beten.

Der heilige Lukas hat uns nicht nur ein Evangelium hinterlassen. Er hat uns in der Apostelgeschichte auch die ersten Schritte der jungen Kirche überliefert. Bis heute finden wir darin zentrale Hinweise, wie wir als Jünger Jesu, als Kirche Christi leben können und sollen.

Ein erstes Wort für mich ist: „Zeugen sein“. Das Hohepriesterliche Gebet Jesu, aus dem wir im Evangelium einen Abschnitt gehört haben, ist beim ersten Hören schwer zu verstehen. Etwas „verschachtelt“ sind die Worte. Im Kern spricht Jesus von einer „Bewegung“, die wir Offenbarung nennen. Er ist vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen, um den Menschen den Vater bekannt zu machen. Anders gesagt: Jesus hat uns Gott gebracht. Er freut sich darüber, dass seine Jünger das verstanden haben: „Sie sind zum Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast“. Diese „Bewegung“ soll nun weitergehen in den Worten und Werken der Jünger. Sie sollen Zeugen Jesu sein. Das heißt, sie sollen die von Jesus empfangene Botschaft weitersagen. Das ist ein wichtiger Hinweis für unser Kirchesein. Wir denken uns keine Inhalte aus, wir bezeugen vielmehr, was wir empfangen haben: Jesus ist der Sohn Gottes, der Herr. Wer das glaubt, der findet das ewige Leben.

Darum ist die Kirche kein Verein oder keine Partei. Sie kann ihren Auftrag nicht verändern, ohne sich selbst zu verlieren. Das meint nicht, dass die Kirche sich nicht auch zu politischen oder gesellschaftlichen Fragen äußern soll. Wo der Frieden oder die Menschenwürde bedroht sind, muss die Kirche das Wort erheben. Aber sie tut das immer von Evangelium her. Als Christen sehen wir die Freuden und Sorgen der Menschen und wir deuten sie im Licht der Botschaft Christi. Seine Worte und sein Leben sind der Maßstab, an dem wir uns orientieren.

Damit uns das gelingt, gibt uns die Apostelgeschichte einen weiteren Hinweis. Sie betont die Gemeinschaft. Die Jünger versammeln sich. Sie beten gemeinsam mit Maria, der Mutter Jesu. Keiner kann allein behaupten, den Heiligen Geist für sich zu haben oder die ganze Botschaft Christi verstanden zu haben. Es gibt solche Versuchungen, dass man meint die Erscheinung hier oder der charismatische Prediger dort wisse mehr als alle anderen. Darum ist die große Erfahrung der Kirche so kostbar. Sie glaubt seit den Zeiten Jesu mit uns und für uns. Sie hat viele Moden und Meinungen bereits kommen und gehen gesehen.

In der Kirche gibt es die Vorwärtsdrängenden und die Beharrlichen, aber nur gemeinsam können wir das Ziel erreichen. Keiner rettet sich allein. Die Glaubenserfahrung der Kirche hilft uns, dass wir erkennen, was sich im Sinne des Evangeliums bewährt hat. Es ist so kostbar, dass wir den Heiligen Vater haben. Wir merken ja, wie in verschiedene Richtungen die kirchliche Einheit und damit auch der Glaube gefährdet ist. Halten wir uns an Petrus! Nur so hat der Glaube bei uns Zukunft – nur vereint mit den Aposteln und ihren Nachfolgern, vereint mit Maria, vereint mit der weltweiten Gemeinschaft der Kirche. Amen.

17.05.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

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