Predigt von Pfarrer Daigeler zum Weißen Sonntag (Feier der Erstkommunion)
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Liebe Erstkommunionkinder, liebe Eltern, Geschwister und Verwandte, liebe Schwestern und Brüder im Herrn, wie entsteht eine Freundschaft? Wenn man die Frage hört, denkt man vielleicht: Das ist nicht schwer. Ich finde jemanden gut oder sympathisch und ich frage ihn: Willst Du mein Freund sein? Ja, aber das ist nur ein Teil. Schließlich muss der andere ja das Angebot auch annehmen. Es hängt also vom anderen ab, ob eine Freundschaft entsteht. Der andere muss mich als Freund annehmen. In anderen Worten können wir sagen: Freundschaft ist ein Geschenk.
Freilich hängt es nicht nur am anderen. Auch ich muss etwas dazu tun. Wer ganz verschlossen oder egoistisch durch die Welt geht, wird nur schwer Freunde finden. Ich muss mich für den anderen interessieren. Ich muss ihm zeigen, was mir wichtig und wertvoll ist. Nicht jeder traut sich das, weil solches Zeigen mich verletzlich macht. Der andere könnte sich darüber lustig machen.
Wenn nun beide Seiten, der andere und ich, diese Schritte gegangen sind, wenn wir Freundschaft geschlossen haben, dann ist die Sache immer noch nicht erledigt. Damit die Freundschaft Bestand hat, damit sie lebendig bleibt, braucht sie Pflege. Wie macht man das? Ich muss aufmerksam bleiben für den Freund oder die Freundin, damit ich merke, ob er oder sie glücklich oder traurig ist. Ich interessiere mich für seine Meinung und seinen Rat. Und vor allem braucht Freundschaft Zeit. Ich muss dem Freunde Zeit schenken, sonst geht jede Freundschaft ein.
Schauen wir noch einmal auf die Jünger, von denen wir eben im Evangelium gehört haben. Sie sind Freunde Jesu. Jesus geht ihnen sogar nach, als sie sich eingeschlossen haben. Er kommt auf sie zu, als sie verängstigt waren. Jesus tritt in ihre Mitte und sagt ihnen ein Wort, das Mut macht: „Friede sei mit euch“. Und er verspricht, dass er sie nie im Stich lässt, auch wenn sie ihn nicht mehr mit den Augen sehen können, weil er zu seinem Vater im Himmel geht.
So wird die Freundschaft erneuert. Jesus spricht auch von der Vergebung, weil seine Freunde ihn im Stich gelassen haben, als er verhaftet und gekreuzigt worden war. Aber Jesus verzeiht und vergibt, weil auch das zur Freundschaft gehört. Die Jünger verstehen: Wir brauchen Jesus. Ich brauche Jesus. Das meint ja der Apostel Thomas, wenn er sagt: „Mein Herr und mein Gott“. Zur Freundschaft gehört auch, dass man sich versöhnt, wenn jemand etwas falsch gemacht hat.
Die Erste Lesung aus der Apostelgeschichte erzählt uns, wie die Geschichte weitergegangen ist. Hier ist die Rede davon, wie man die Freundschaft mit Jesus pflegen kann. Dort werden drei Bausteine genannt: Festhalten an der Lehre der Apostel, Gemeinschaft und Gottesdienst. Das heißt, wir beschäftigen uns mit dem Glauben, wie ihn Jesus gebracht hat, und lernen ihn besser kennen. Das gelingt am besten in Gemeinschaft, dass wir einander unterstützen und aufeinander achten. Und schließlich brauchen wir das Gebet und den Gottesdienst, um Freunde Jesu zu bleiben.
Liebe Kommunionkinder, was bedeutet das für Euch? Ihr empfangt heute zum ersten Mal die heilige Kommunion. Sie ist das Kostbarste, das die Kirche kennt. Das Wertvollste wird euch geschenkt. Ja, es ist ein Geschenk. Wir könnten es nicht kaufen. Es ist Jesus selbst, der sich euch schenkt. Er will, dass ihr seine Freunde werdet.
Ich bitte Euch: Pflegt die Freundschaft mit Jesus! Sprecht jeden Tag mit ihm im Gebet. Kommt immer wieder in die Heilige Messe, damit ihr Jesus empfangen könnt in der heiligen Kommunion. Kommt in die Gemeinschaft seiner Freunde. Das ist die Kirche, unsere Pfarrgemeinde. Dann merkt ihr: Wer glaubt, ist nie allein!
12.04.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler




