logo pg liborius wagner Stadtlauringen

Predigt von Pfarrer Daigeler zum 5. Ostersonntag A

Download Audiodatei der Predigt

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, „das muss jeder für sich selbst entscheiden“. Dieser Satz ist häufig zu hören, wenn es um Fragen der Lebensführung, der Überzeugung oder auch des Glaubens geht. Der eine macht es so, der andere macht es anders. So wie man vom Alten Fritz erzählt, er habe gesagt, dass in seinem Reich „jeder nach seiner Facon glücklich werden solle“.

Nun, ganz falsch ist das nicht. Wer von uns möchte sich gerne vorschreiben lassen, was er zu glauben oder wie er zu leben habe? Und in gewisser Weise ist es sogar konstitutiv für unseren christlichen Glauben, dass er auf einer persönlichen Entscheidung gründet. Jesus ruft die Jünger in ihrem jeweiligen Tun und sie müssen sich entscheiden, ob sie ihm folgen. So ist es auch heute: Jeder muss „für sich selbst entscheiden“, ob er zu Jesus gehören will oder nicht. Ein erzwungener Glaube wird in der Krise nicht tragen. Eigentlich ist er überhaupt kein Glaube. Denn mein freies Ja zu Gott ist unverzichtbar dafür, dass ich ein Christ werde und vor allem bleibe. Überall, wo die Kirche in der Geschichte versucht hat, mit Hilfe von staatlichem oder gesellschaftlichem Druck den Glauben zu erhalten, ist das Ergebnis sehr ernüchternd. Sobald der Druck wegfiel, schwand auch die religiöse Praxis.

Heute „muss“ niemand mehr in die Kirche gehen. Alle tun dies freiwillig. Und das sehe ich durchaus als Fortschritt. Wir haben uns dafür entschieden, sein Volk zu sein, wie es der Petrusbrief nannte, sein „heiliger Stamm“. Wir haben seinen Ruf angenommen, darum hat er uns zu seiner „königlichen Priesterschaft“ gemacht. Darum ist der Glaube keine Last, nein, er ist ein großes Geschenk. Denn der Glaube führt uns aus der „Finsternis in sein wunderbares Licht“. Der Glaube schenkt uns Orientierung und Halt. Er gibt uns Klarheit über das, was zählt, was bleibt, richtig ist, und auch über das, was vergänglich oder falsch ist.

Der christliche Glaube ist also meine Entscheidung. Dennoch wäre es ein Missverständnis zu meinen, er wäre ein „Buffet“. Die Lesungen des heutigen Fünften Sonntags der Osterzeit geben uns klare Hinweis über den Inhalt unseres Glaubensbekenntnisses. „Wer mich sieht, sieht den Vater“, sagt Jesus zu Philippus. Auf den ersten Blick geht Jesus einfach auf die Nachfrage seines Jüngers ein. Aber bei genauerem Hinhören merken wir die Klarheit und Deutlichkeit der Aussagen. „Keiner kommt zum Vater außer durch mich“, sagt Jesus im Evangelium. Ja, der Glaube ist meine Entscheidung, aber wir entscheiden uns nicht für irgendetwas oder irgendwen. Es geht um ein klares Bekenntnis zu Christus. Er ist der Sohn Gottes. In Jesus hat sich uns Gott unüberbietbar gezeigt, darum kann er sagen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Die Botschaft Christi ist für uns nicht eine Sammlung von Worten neben vielen anderen. Sie ist unser Fundament. Das Evangelium weist uns den Weg, wie das Leben gut wird in dieser Welt und in der Kommenden.

Und dieses Bekenntnis ist nicht nur ein frommer Gedanke, es ist sehr konkret. Darauf weist uns die Lesung aus der Apostelgeschichte hin. Man überlegt dort nämlich, wie man dem Auftrag Jesu gerecht werden kann, die Nächsten zu lieben und besonders für die Notleidenden da zu sein. Die ersten Diakone werden dazu ausgewählt und geweiht. Wer sagt, er sei ein Christ, der muss auch so handeln, wie es Jesus uns vorgelebt hat. Sein Beispiel ist der Weg und die Wahrheit. Entscheiden wir uns für ihn, folgen wir ihm, dann finden wir das Leben. Amen.

03.05.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

­